LebensArt-Magazin, Oktober 2009, Presse

Bestattungen in der Natur – in Wäldern oder im Meer

Wir erleben bezüglich des Umgangs mit dem Sterben grundlegende Veränderungen. Der Hospizbewegung und den Veränderungen in der Palliativpflege und -medizin ist es zu verdanken, dass dem menschlichen Umgang mit Sterbenden ein neuer Wert beigemessen wird. Mit dem Tod jedoch darf die Fürsorge für die Verstorbenen nicht aufhören. Auch hier beginnt sich einiges im Bewusstsein der Menschen zu verändern, verloren geglaubte Traditionen werden wieder entdeckt und neue Rituale entwickelt. Die Abschiednahme am offenen Sarg, insbesondere wenn es sich um einen plötzlichen Tod handelt, kann für Angehörige und Freunde von großer Bedeutung sein. Ich habe viele Menschen erlebt, die dankbar waren sich von „ihren“ Toten verabschieden zu können, sie noch einmal friedlich und schön gekleidet zu sehen, mit ihnen zu sprechen oder ihnen etwas Persönliches mitzugeben. Das mindert nicht die Trauer, ermöglicht aber mit diesen letzten, traurigen und dennoch schönen Bildern anders weiterzuleben. Auch in der Gestaltung und der Wahl der Orte von Trauerfeiern eröffnen sich derzeit vielen Menschen neue Räume. So gestalteten wir nicht nur in Kirchen und Friedhofskapellen, sondern auch in einem Tanzstudio, einer Diskothek, einem Freizeitheim, einem Wohnzimmer oder im Garten des Verstorbenen sehr bewegende Abschiedsfeiern. Nicht immer muss ein/e Pastor/in oder Trauerredner/in die Ansprache halten. Manchmal sprechen Freude oder Verwandte, es wird musiziert und gesungen. Auch Musik von der CD gespielt kann der verstorbenen Person besonders entsprechen. So wird mir „Shugar Baby“, gesungen von Peter Alexander, im Wald von CD gespielt, immer im Gedächtnis bleiben. Es gab ganz individuelle Feiern und Beisetzungen, traurig und beührend, manchmal auch komisch, es wurde viel geweint, miteinander geredet und auch gelacht. Die Beisetzungen in der Natur unter einem Baum werden von immer mehr Menschen genutzt. Im Raum Hannover bieten die Städtischen Friedhöfe auf dem Seelhorster Friedhof Bestattungen im „Seelwald“ an. Wer den Wald liebt, dort gerne Spaziergänge macht, sich ein Picknick am Grab vorstellen kann oder mit den Kindern durch den Wald toben möchte, kann unter verschiedenen Möglichkeiten wählen. Die Organisation Friedwald bietet in der Herrschaft Ütze seit einigen Jahren Baumbestattungen an, die Stadt Springe auf der Sophienhöhe im Deister und in diesem Jahr hat der Ruheforst Deister (Wennigsen) eröffnet. Überall hier kann man schon zu Lebzeiten eine oder mehrere Grabstellen kaufen, sich den Baum oder den Platz aussuchen. Es ist keine anonyme Bestattung, die Freunde und Angehörigen können bei der Beisetzung anwesend sein. Doch anders als auf Friedhöfen gibt es hier nicht die Möglichkeit (und damit auch nicht die Pflicht!) etwas zu pflanzen und zu pflegen. Auch Grabmale können nicht aufgestellt werden. Die einzelnen Waldruhestätten haben durchaus unterschiedliche Charaktere. So empfiehlt es sich immer, verschiedene Orte zu besuchen um entscheiden zu können, welche Atmosphäre, welcher Ort der verstorbenen Person am ehesten entspricht. Eine weitere Möglichkeit die Urne in der Natur beizusetzen, bietet die Seebestattung. Sowohl in der Ost- als auch in der Nordsee oder auf anderen Meeren ist die Bestattung, organisiert durch eine Reederei, möglich. Auch hier ist die Einäscherung Voraussetzung. Die Asche wird in einer Seebestattungsurne gemeinsam mit den Angehörigen zu Wasser gelassen. Auf den Schiffen werden die dazu gehörigen Ansprachen von dem Kapitän gehalten, später gibt es die Möglichkeit an Erinnerungsfahrten teilzunehmen.

LebensArt-Magazin / Oktober 2009