Hannoversche Allgemeine

Die Zeit allein heilt keine Wunden

Wenn der Verlust eines nahe stehenden Menschen zu beklagen ist, benötigen Angehörige eine einfühlsame Begleitung. Kerstin Wockenfuß versteht sich deshalb nicht nur als Bestatterin mit dem üblichen Dienstleistungsangebot, sondern auch als Ideengeberin und Beraterin. Den persönlichen Abschied ermöglichen, eine individuelle Trauerfeier oder Bestattung, auch an ungewöhnlichen Orten ausrichten – diese Grundsätze hat Kerstin Wockenfuß im Konzept ihres Bestattungsunternehmens „Abschied“ verankert. „Ein intensiv erlebter und aktiv gestalteter Abschied bietet Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich der Realität des Todes zu nähern und damit auch Kraft und Energie für das eigene Leben zurückzugewinnen“, sagt Kerstin Wockenfuß. Zeit zum Abschiednehmen Die Menschen haben das Abschiednehmen verlernt. Oft sterben Angehörige im Krankenhaus oder Altersheim – meist nicht einmal im Beisein ihrer Nächsten. Der Leichnam wird abgeholt, der letzte „Kontakt“ ist der Blick auf den verschlossenen Sarg bei der Beerdigung. Dazwischen liegen Tage, in denen Formalitäten erledigt werden, Zeit zum Trauern bleibt da kaum. Dabei ist es heute wie früher möglich, die Tage vom Eintritt des Todes bis zur Beerdigung mit Leben zu füllen. „Selbst wenn der Tote in der Klinik verstorben …

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Wenn die Zeit abgelaufen ist

Wenn sich Menschen im Alter von 50 Jahren noch einmal beruflich neu orientieren, ist das an sich noch nichts Ungewöhnliches. Dass aber eine Sozialwissenschaftlerin und Dozentin der Leibniz Universität Hannover und der Evangelischen Fachhochschule zur Bestatterin umschult, ist doch nicht ganz alltäglich.
Vor gut einem Jahr hat Kerstin Wockenfuß gemeinsam mit Silke Ahrens, Religionswissenschaftlerin und Lehrerin in der Erwachsenenbildung in Verden, das Bestattungsunternehmen „Abschied“ gegründet. Bisher galt das Bestattungswesen als reine Männerdomäne. Aus der Tradition der Fuhrleute und Tischler stammend wurde man in den Beruf hinein geboren oder heiratete hinein. Doch mittlerweile eröffnen immer mehr Frauen Bestattungsinstitute.
Die Entwicklung kommt aus der Hospizbewegung. Die Frauen wollen dem auf Kompetenz, Schnelligkeit und Diskretion ausgerichteten konventionellen Bestattungsgewerbe seine traditionelle Trauerkultur zurückgeben, die Raum lässt für ein würdevolles Abschiednehmen und für Gefühle. Ein intensiver Abschied Zeit spielt für Kerstin Wockenfuß beim Abschied eine wichtige Rolle. Aber das sei ja nicht zeitgemäß, bedauert sie. Selten gibt es Sonderurlaub für die Hinterbliebenen, Trauerfeiern finden im Stundentakt statt, für eine Totenwache ist meist keine Zeit.
Viele Angehörige wissen nicht, das sie ihre Verstorbenen nach …

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