Presse

Den Abschied gestalten

Seit ca. sechs Jahren arbeite ich als Bestatterin, oft werde ich gefragt, was diese Tätigkeit beinhaltet. Genauso, wie vielen Menschen dieser Beruf fremd ist, haben sie wenig oder gar keine Erfahrung im Umgang mit Toten. Das erging mir in der Vergangenheit übrigens nicht anders. Als meine Oma oder meine Freundin verstarben, war ich zwar am Sterbebett, aber als Tote sah ich sie nicht. Die Kultur, Tote gemeinsam zu waschen, anzuziehen, aufzubahren, Totenwache zu halten, Sargbeigaben mitzugeben, den Sarg anzumalen, die Urne zu gestalten und Ähnliches kannte ich nicht aus eigener Erfahrung. Dieses und vieles Andere lernte ich in Praxiseinsätzen von verschiedenen Bestatterinnen, um es dann in meinem eigenen Betrieb umzusetzen. Meistens rufen mich Menschen an, nachdem jemand gestorben ist, oft wird der Kontakt aufgenommen, wenn jemand im Sterben liegt, selten sind es die schwerkranken Menschen selber, die mit mir sprechen möchten. Die letztgenannte Situation ist eine ganz besondere. Ich finde es wunderbar, wenn diejenigen, die wissen, dass der Tod sehr nah ist, sich selber entscheiden, was nach ihrem Tod geschehen soll und wir darüber sprechen …

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Bestattungen in der Natur – in Wäldern oder im Meer

Wir erleben bezüglich des Umgangs mit dem Sterben grundlegende Veränderungen. Der Hospizbewegung und den Veränderungen in der Palliativpflege und -medizin ist es zu verdanken, dass dem menschlichen Umgang mit Sterbenden ein neuer Wert beigemessen wird. Mit dem Tod jedoch darf die Fürsorge für die Verstorbenen nicht aufhören. Auch hier beginnt sich einiges im Bewusstsein der Menschen zu verändern, verloren geglaubte Traditionen werden wieder entdeckt und neue Rituale entwickelt. Die Abschiednahme am offenen Sarg, insbesondere wenn es sich um einen plötzlichen Tod handelt, kann für Angehörige und Freunde von großer Bedeutung sein. Ich habe viele Menschen erlebt, die dankbar waren sich von „ihren“ Toten verabschieden zu können, sie noch einmal friedlich und schön gekleidet zu sehen, mit ihnen zu sprechen oder ihnen etwas Persönliches mitzugeben. Das mindert nicht die Trauer, ermöglicht aber mit diesen letzten, traurigen und dennoch schönen Bildern anders weiterzuleben. Auch in der Gestaltung und der Wahl der Orte von Trauerfeiern eröffnen sich derzeit vielen Menschen neue Räume. So gestalteten wir nicht nur in Kirchen und Friedhofskapellen, sondern auch in einem Tanzstudio, einer Diskothek, …

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Die Zeit allein heilt keine Wunden

Wenn der Verlust eines nahe stehenden Menschen zu beklagen ist, benötigen Angehörige eine einfühlsame Begleitung. Kerstin Wockenfuß versteht sich deshalb nicht nur als Bestatterin mit dem üblichen Dienstleistungsangebot, sondern auch als Ideengeberin und Beraterin. Den persönlichen Abschied ermöglichen, eine individuelle Trauerfeier oder Bestattung, auch an ungewöhnlichen Orten ausrichten – diese Grundsätze hat Kerstin Wockenfuß im Konzept ihres Bestattungsunternehmens „Abschied“ verankert. „Ein intensiv erlebter und aktiv gestalteter Abschied bietet Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich der Realität des Todes zu nähern und damit auch Kraft und Energie für das eigene Leben zurückzugewinnen“, sagt Kerstin Wockenfuß. Zeit zum Abschiednehmen Die Menschen haben das Abschiednehmen verlernt. Oft sterben Angehörige im Krankenhaus oder Altersheim – meist nicht einmal im Beisein ihrer Nächsten. Der Leichnam wird abgeholt, der letzte „Kontakt“ ist der Blick auf den verschlossenen Sarg bei der Beerdigung. Dazwischen liegen Tage, in denen Formalitäten erledigt werden, Zeit zum Trauern bleibt da kaum. Dabei ist es heute wie früher möglich, die Tage vom Eintritt des Todes bis zur Beerdigung mit Leben zu füllen. „Selbst wenn der Tote in der Klinik verstorben …

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Das letzte Geschenk

-Wie wir den Abschied von Verstorbenen gestalten können- Der Abschied von einem/r Verstorbenen markiert immer einen tiefen Einschnitt, eine grundlegende Veränderung im Leben tritt ein. Wenn ein Mensch gestorben ist, gilt es Abschied zu nehmen und das weitere Leben ohne die physische Anwesenheit dieses, vielleicht sehr geliebten Menschen, zu leben. Die Trauer bricht sich oft in ganz unterschiedlicher Weise ihre Bahn. Für manche Menschen kann es in dieser Abschiedssituation sehr hilfreich sein, für die Tote oder den Toten noch etwas zu tun oder zu gestalten.
In verschiedenen, sehr unterschiedlichen Abschiedssituationen durfte ich anwesend sein, wenn dieses „letzte Geschenk“ gestaltet wurde. Ich konnte wahrnehmen, mit wie viel Liebe es entstand und wie heilsam dieser Prozess sein kann.
 Dieses „letzte Geschenk“ kann sehr unterschiedlichen Charakter haben. Es kann daraus bestehen die geliebte Person zu waschen, einzuölen und anzuziehen, ihr einen Brief oder ein Gedicht zu schreiben, ein Bild zu malen oder ein Foto herauszusuchen und mit in den Sarg zu geben. Eine Witwe legte Ihrem verstorbenen Mann ganz viele Rosenblätter, die sie aus dem gemeinsamen Garten gesammelt und …

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„Sprich mit mir!“ ..

Über die letzten Dinge des Lebens reden – Für viele Menschen ist es furchtbar daran zu denken, dass die eigenen Eltern, Verwandten und Freund/innen einmal sterben werden. Oftmals führt diese Angst dazu, dass die Themen Sterben, Tod und Abschied aus den Gesprächen ausgeklammert werden. Es herrscht die Sorge, missverstanden zu werden, so als wünschte man sich die andere Person schnell unter die Erde. Sicherlich ist mit dem Ausklammern dieser Themen auch die Hoffnung verbunden: Wenn ich über den Tod nicht spreche, tritt er nicht ein. Natürlich weiß jede/r, dass dieses ein Trugschluss ist. Unsere Erfahrung ist, dass manche alte Menschen und auch Sterbende das Bedürfnis haben, über „die letzten Dinge“ zu sprechen und einiges zu regeln.

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Neue Formen des Abschieds

– Individuelle Rituale für einzigartige Menschen – Die Bestattungs- und Trauerkultur in Deutschland erlebt zur Zeit einen grundlegenden Wandel. Längst haben die christlichen Kirchen nicht mehr das Monopol für Beisetzungsfeiern. So entwickeln sich – sowohl im christlichen Rahmen als auch außerhalb dessen – neue Bestattungsformen, deren Kennzeichen die individuelle Gestaltung ist. Ein intensiv erlebter und aktiv gestalteter Abschied bietet den Trauernden die Chance, sich der Realität des Todes zu nähern und in diesem Prozess wieder neue Lebenskraft zu entwickeln. Ginkgo-Magazin im Gespräch mit der Bestatterin Kerstin Wockenfuß – und Martin Rumprecht, Musiker

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Wenn die Zeit abgelaufen ist

Wenn sich Menschen im Alter von 50 Jahren noch einmal beruflich neu orientieren, ist das an sich noch nichts Ungewöhnliches. Dass aber eine Sozialwissenschaftlerin und Dozentin der Leibniz Universität Hannover und der Evangelischen Fachhochschule zur Bestatterin umschult, ist doch nicht ganz alltäglich.
Vor gut einem Jahr hat Kerstin Wockenfuß gemeinsam mit Silke Ahrens, Religionswissenschaftlerin und Lehrerin in der Erwachsenenbildung in Verden, das Bestattungsunternehmen „Abschied“ gegründet. Bisher galt das Bestattungswesen als reine Männerdomäne. Aus der Tradition der Fuhrleute und Tischler stammend wurde man in den Beruf hinein geboren oder heiratete hinein. Doch mittlerweile eröffnen immer mehr Frauen Bestattungsinstitute.
Die Entwicklung kommt aus der Hospizbewegung. Die Frauen wollen dem auf Kompetenz, Schnelligkeit und Diskretion ausgerichteten konventionellen Bestattungsgewerbe seine traditionelle Trauerkultur zurückgeben, die Raum lässt für ein würdevolles Abschiednehmen und für Gefühle. Ein intensiver Abschied Zeit spielt für Kerstin Wockenfuß beim Abschied eine wichtige Rolle. Aber das sei ja nicht zeitgemäß, bedauert sie. Selten gibt es Sonderurlaub für die Hinterbliebenen, Trauerfeiern finden im Stundentakt statt, für eine Totenwache ist meist keine Zeit.
Viele Angehörige wissen nicht, das sie ihre Verstorbenen nach …

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