LebensArt-Magazin, Oktober 2008, Presse

Das letzte Geschenk

-Wie wir den Abschied von Verstorbenen gestalten können- Der Abschied von einem/r Verstorbenen markiert immer einen tiefen Einschnitt, eine grundlegende Veränderung im Leben tritt ein. Wenn ein Mensch gestorben ist, gilt es Abschied zu nehmen und das weitere Leben ohne die physische Anwesenheit dieses, vielleicht sehr geliebten Menschen, zu leben. Die Trauer bricht sich oft in ganz unterschiedlicher Weise ihre Bahn. Für manche Menschen kann es in dieser Abschiedssituation sehr hilfreich sein, für die Tote oder den Toten noch etwas zu tun oder zu gestalten.
In verschiedenen, sehr unterschiedlichen Abschiedssituationen durfte ich anwesend sein, wenn dieses „letzte Geschenk“ gestaltet wurde. Ich konnte wahrnehmen, mit wie viel Liebe es entstand und wie heilsam dieser Prozess sein kann.
 Dieses „letzte Geschenk“ kann sehr unterschiedlichen Charakter haben. Es kann daraus bestehen die geliebte Person zu waschen, einzuölen und anzuziehen, ihr einen Brief oder ein Gedicht zu schreiben, ein Bild zu malen oder ein Foto herauszusuchen und mit in den Sarg zu geben. Eine Witwe legte Ihrem verstorbenen Mann ganz viele Rosenblätter, die sie aus dem gemeinsamen Garten gesammelt und getrocknet hatte, in den Sarg. Sie bettete ihn zum Abschied auf Rosen. Manchmal entscheiden sich die Angehörigen, den Sarg anzumalen und zu gestalten. Zwei Söhne, die gemeinsam mit der Mutter den Sarg für den Vater anmalten, hatten die Idee: „wir müssen den Sargdeckel von innen mit Fenstern bemalen, damit der Papa hinaus gucken kann“. Und so entstanden wunderbare Fenster mit dahinter liegendem Himmel mit Sonne, Mond und Sternen. Wunderschön wurde auch die Urne, die die Enkeltöchter für die Oma mit Blumen, der Sonne und einem Schmetterling bemalten.
Wer nicht die Kraft oder Möglichkeit hat, den Sarg selber zu bemalen, kann dieses auch delegieren, zum Beispiel an KünstlerInnen. Vielleicht gerade dann, wenn der Tod plötzlich herein bricht und nahe Menschen noch ganz in der Erstarrung verharren, kann es hilfreich sein, selber „ ins Tun“ zu kommen. So konnte ich erleben, wie hilfreich es für drei junge Männer nach dem Unfalltod ihres Vaters war, den Sarg zu gestalten, an ihm zu bauen, zu tischlern, zu ölen und zu sprühen. In den Sargdeckel außen setzten sie eine Eule aus Metall, das Lieblingstier des Vaters, ein.
Auch die Gestaltung von Trauerkarten kann noch einmal ein besonderes Abschiedsgeschenk darstellen. Besonders berührend war für mich die Trauerkarte für eine Bekannte. Ihre Kinder und ihr Ehemann ließen die Vorderseite der Karte mit einem der letzten Hoffnungs-Bilder, die sie während ihrer tödlichen Krankheit selber gemalt hatte, bedrucken. Trauerkarte mit Aquarell, gemalt von der Verstorbenen Manchmal ist es die Musik, mit der sich jemand von den Verstorbenen verabschiedet, dann wird auf der Trauerfeier etwas gespielt oder gesungen, was besonders geliebt wurde. Manchmal sind es ein Gedicht oder eine Rede, die geschrieben und vorgetragen werden. Als die Tochter für ihre verstorbene Mutter ein selbst geschriebenes Gedicht in der Friedhofskapelle vortrug, drückte dies eine ganz besondere Verbundenheit aus, von der wir alle berührt wurden. All dieses Tun macht den Verlust nicht geringer, aber es prägen sich Bilder ein, die es uns erleichtern können den Schmerz zu tragen. Ich möchte Mut machen, den eigenen Weg in Abschiedssituationen zu entdecken und zu gehen
. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie gerne an.

 

LebensArt / Okt. 2008