Hannoversche Allgemeine, Neue Presse, November 2008, Presse

Die Zeit allein heilt keine Wunden

Wenn der Verlust eines nahe stehenden Menschen zu beklagen ist, benötigen Angehörige eine einfühlsame Begleitung. Kerstin Wockenfuß versteht sich deshalb nicht nur als Bestatterin mit dem üblichen Dienstleistungsangebot, sondern auch als Ideengeberin und Beraterin. Den persönlichen Abschied ermöglichen, eine individuelle Trauerfeier oder Bestattung, auch an ungewöhnlichen Orten ausrichten – diese Grundsätze hat Kerstin Wockenfuß im Konzept ihres Bestattungsunternehmens „Abschied“ verankert. „Ein intensiv erlebter und aktiv gestalteter Abschied bietet Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich der Realität des Todes zu nähern und damit auch Kraft und Energie für das eigene Leben zurückzugewinnen“, sagt Kerstin Wockenfuß.

Zeit zum Abschiednehmen

Die Menschen haben das Abschiednehmen verlernt. Oft sterben Angehörige im Krankenhaus oder Altersheim – meist nicht einmal im Beisein ihrer Nächsten. Der Leichnam wird abgeholt, der letzte „Kontakt“ ist der Blick auf den verschlossenen Sarg bei der Beerdigung. Dazwischen liegen Tage, in denen Formalitäten erledigt werden, Zeit zum Trauern bleibt da kaum.
Dabei ist es heute wie früher möglich, die Tage vom Eintritt des Todes bis zur Beerdigung mit Leben zu füllen. „Selbst wenn der Tote in der Klinik verstorben ist, kann er noch über Nacht oder für längere Zeit nach Hause geholt werden, damit die Angehörigen in Ruhe und mit viel Zeit Abschied nehmen können“, sagt Kerstin Wockenfuß. Manchen tut es gut, nur die Hand des Toten zu nehmen oder ein Zwiegespräch zu halten. Andere Menschen möchten den Verstorbenen gemeinsam mit KerstinWockenfuß waschen, einölen und zur letzten Ruhe betten. „Manchmal hilft es auch, Familie und Freunde einzuladen und sie am offenen Sarg am Schmerz und am Abschied teilhaben zu lassen“, sagt die Bestatterin.

Mit Liebe bestattet

Erst durch die Beerdigung oder Verbrennung wird der direkte Kontakt beendet. „Auch dieser Teil lässt sich jenseits der bekannten Rituale erleben, denn so individuell wie der Verstorbene kann auch die Trauerfeier sein“, sagt Kerstin Wockenfuß. Für manche Menschen kann es in der Abschiedssituation hilfreich sein, für den Toten noch etwas zu tun oder zu gestalten. Dieses „letzte“ Geschenk kann sehr unterschiedlichen Charakter haben. So entscheiden sich immer mehr Angehörige, den Sarg oder die Urne durch eine individuelle Bemalung zu verzieren oder damit einen Künstler zu beauftragen. Manchmal ist es auch die Musik, mit der sich jemand von dem Verstorbenen verabschiedet. Dann wird auf der Trauerfeier gesungen. Oder ein Angehöriger spielt ein Instrument, während der Sarg in das Feuer fährt. „Eine Verabschiedung kann im eigenen Garten, im Friedwald oder an einem beliebigen Ort des Lebensalltags des Verstorbenen stattfinden“, erklärt Kerstin Wockenfuß, die bei der Planung und Gestaltung des Prozesses vom Tod bis zur Beisetzung natürlich auch Familie und Freunde der Verstorbenen mit einbindet.

Die Zeit allein heilt keine Wunden

Trauer ist eine Reaktion auf das Erleben eines Verlustes. Die Bestatterin Kerstin Wockenfuß liefert Unterstützung, die Menschen brauchen, damit die Trauerwunde heilt. Die Sozialwissenschaftlerin steht auch nach der Beisetzung für Gespräche zur Verfügung und bietet außerdem Vorträge und Seminare zum Thema Trauer an.

Hannoversche Allgemeine, Neue Presse / Nov. 2008